Archive for the ‘Loot & Salvage’ Category

Cassini Mission

Montag, Juni 25th, 2012

Saturn … und dahinter die Unendlichkeit: Chris Abbas hat die Bilder der Cassini-Huygens-Mission, bei der zwei Raumsonden zum Saturn und seinen Monden geschickt wurden, zu einem beeindruckenden Kurzfilm montiert, den ich euch gerne präsentiere. Bei aller Bildgewalt verliert die Kritik an der Mission jedoch nicht ihre Berechtigung. Blinde Begeisterung für den technischen Fortschritt ist auch hier fehl am Platz.

Einsteins Grab

Sonntag, Juni 17th, 2012

Die Frage, wer die neue Welt bauen solle, wurde ja schon vor einiger Zeit zur Genüge beantwortet. Die Frage allerdings, wer den Plan dafür zeichnen soll, blieb und bleibt offen (was auch gut so ist). Trotzdem ist es nicht zu früh, sich Gedanken über die Stadt nach der Stadt zu machen. Eine Inspiration für ein solches neues Nachdenken über den Raum und über eine Transformation des Urbanen liefern u.a. die Arbeiten von Lebbeus Woods, seines Zeichens experimenteller Architekt und radikaler Tüftler. Beachtet seinen Entwurf für Einsteins Grab!

In 1980, Lebbeus Woods proposed a tomb for Albert Einstein – the so-called
Einstein Tomb – inspired by Boullée’s famous Cenotaph for Newton.
But Woods’s proposal wasn’t some paltry gravestone or intricate mausoleum in
hewn granite: it was an asymmetrical space station traveling on the gravitational
warp and weft of infinite emptiness, passing through clouds of mutational
radiation, riding electromagnetic currents into the void.
Geoff Manaugh

-Bilder via

The Cathedral

Samstag, Juni 9th, 2012

A little Eyecandy for you: Nach der Kurzgeschichte „Katedra“ des polnischen SF/F-Autors Jacek Dukaj gedreht, wurde dieses kleine Schmuckstück sogar für einen Academy Award nominiert. Wir wünschen gute Unterhaltung.

So, then: the Cathedral. It’s enormous, magnificent. You exit the biosphere lock, and you see it before you, above you, a ragged shadow against the stars. Light is needed for you to take in the architecture, but there is no light, for Lévie is distant now and Madeleine not yet close enough. Through the long period of the cosmic interhelium, the Cathedral is above all other things a Mystery. From the lock to the main portal a crooked track runs down the crater slope along a path cut into the cold stone. You descend with the required safety line clipped to your belt by the robot that mans the outer gate. Typically the descending visitor, curious, will switch on the powerful lamp of his suit. But the lamp’s white finger can touch only separate spots of the edifice, moving from one to the other–here, there–like a feeble probe across an outer skin.

Out of this world

Montag, Juni 4th, 2012

Von Zeit zu Zeit beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Es wiederholt sich immer wieder: Sobald ich eine tolle Sache entdecke, muss ich als nächstes feststellen, dass ich zu spät bin; dass sich die Kapelle aufgelöst hat, die Veranstaltungsreihe abgebrochen wurde usw. So auch bei den Out-of-this-world-Kongressen, die zwischen 2000 und 2004 in Bremen stattfanden. Auch hier brauchte es erst den Tipp eines gastierenden Referenten (der sich als Fellow nerd entpuppte), bis ich auf diese Kongresse aufmerksam wurde, auf denen versucht wurde, das Verhältnis von Science-Fiction, Gesellschaftskritik und Utopie auszuloten. Und selbstverständlich war der letzte Kongress bereits gelaufen. Mein heiliger Zorn hält sich allerdings in Grenzen, da ich vor ein paar Tagen auf Jakobs Blog, den Reader des zweiten Kongresses entdeckte, der frei zur Verfügung steht. Ich wünsche viel Vergnügen.

Die Rückkehr (schon wieder Drogen)

Dienstag, Mai 29th, 2012

Golem feiert seine Auferstehung aus den Trümmern, die der DDoS-Angriff hinterlassen hat, indem es den Audiophilen unter euch ein besonderes Fundstück präsentiert. Auf der Homepage des WDR steht gerade noch eine Hörspiel-Bearbeitung des Textes „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ von Philip K. Dick zum Download zur Verfügung. Ihr findet das gute Stück hier.

Die Erde, ein glühender Backofen. Die Städte, überbevölkerte Schmelztiegel. Die Elite der Menschheit verbringt ihre Urlaube in der Antarktis und lässt sich in Evolutions-Kliniken modifizieren, während die Vereinten Nationen den Mars mit Zwangsrekruten besiedeln. Barney Mayerson arbeitet für den New Yorker Konzern P.P. Layouts. Mithilfe seiner präkognitiven Fähigkeiten erkennt er die Mode von morgen. Ein privilegierter Job, der ihn nicht glücklich machen kann. Zu spät hat er erkannt, dass seine Ex-Frau die Liebe seines Lebens ist.

Als er den Musterungsbescheid für die Kolonien erhält, kann er von heute auf morgen alles verlieren. Nur einer scheint sein Leben und das der gesamten Menschheit verändern zu können: Palmer Eldritch, der mysteriöse Großindustrielle, verschollen geglaubt und von fernen Sonnensystemen zurückgekehrt. Er bringt die Erlösung: eine Droge.

Lasst die Industriebrache stehen!

Freitag, Mai 25th, 2012

Wo sollte Ruben Fernandez sonst seine post-apokalyptischen Kurzfilme drehen? Zwischen Nahrungsmittelknappheit, Verteilungskämpfen und alltäglicher Gewalt bleibt doch die Hoffnung auf den utopischen Spaziergang am Strand. Aber seht selbst!

Was fasziniert uns eigentlich an diesem hemmungslosen Herumgespinne über unsere eigene Vernichtung und das Danach? Sicherlich haben Mutanten ihre ganz eigene unverwechselbare Ästhetik (ich zumindest steh drauf), aber das ist noch nicht alles. Es sind die Themen, die hier verhandelt werden: Weil die post-apokalyptische Fiktion nicht nur als Warnung vor dem „So-weiter-machen“ funktioniert, vor der drohenden und permanenten Katastrophe, die im Subtext der kapitalistischen Erzählung mitschwingt — sondern auch das Bewusstsein für die Krise der Subjekte schärft, indem sie in gesteigerter Form wiedergibt, was bereits Alltag ist: das Leben in einer feindlichen Welt. Was also in post-apokalyptischen Texten, Filmen etc. verhandelt wird, ist mitnichten fernab unserer Lebenswelten. Walter Benjamin hat einmal geschrieben, dass die Katastrophe „nicht das jeweils Bevorstehende sondern das jeweils Gegebene“ sei (auf aergernis gibt es dazu übrigens ein interessantes Interview mit Roger Behrens). Insofern kann die post-apokalyptische Vorstellung als der bildhafte Ausdruck der bestehenden Verhältnisse, der gegenwärtigen Zumutungen und Tendenzen betrachtet werden – jede Epoche träumt die nächste (nochmal Benjamin).

Dabei würde ich trotzdem auf einem repressiven Trennstrich zwischen kritischer Dystopie und den kulturindustriell gefertigten Katastrophenfilmchen bestehen, die uns alle paar Jahre um die Ohren sausen. Denn während erstere als eine Art Erneuerung der Utopie verstanden werden kann, ist es in letzteren die Konzentration auf die eine, unausweichliche Katastrophe, die jede reflektierende Distanz unmöglich macht. Ganz abgesehen davon, dass Filme dieser Art grundsätzlich so gedreht sind, dass die Betrachtenden mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt ins Geschehen hineingezogen werden. Was bleibt, ist in aller Regel ein „Stell dir mal vor, das würde passieren…“, das ganz selbstverständlich ignoriert, dass es schon passiert, nur eben nicht so spektakulär; eben nicht am Tag X, sondern jeden Tag.

Trotzdem ist nicht jede Dystopie per se kritisch. Evan Calder Williams hat hier einen guten Text über etwas geschrieben, was er dystopian realism nennt (jüngstes Beispiel The Road, nach dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy): Geschichten, die vom Überleben nach der Katastrophe handeln, dabei aber den Fokus auf das Zusammenbrechen der gesellschaftlichen Ordnung richten. Die Folgen sind in diesen Erzählungen eigentlich immer Gewalt, Kannibalismus, Xenophobie etc. Ich würde ihm nicht in allen Punkten zustimmen, er spricht aber einige wichtige Punkte an:

Underpinning this all is a deep commitment to a certain conception of the human animal. At the end of history (here defined as the narrative of a civilizing project tending toward the global stalemate of liberal capitalism), we discover that our capacity to act badly is not historically contingent or determined. More than that, we see that whatever the accidents of history were, whatever the repressions and imbalances that shaped the globe, they were ultimately a necessary corrective to the chaotic fury of the human unchained. According to this perspective, one far more common than a set of serious-minded art films, it isn’t that we act badly because the reigning order’s mechanisms of exploitation and domination were rewarded and learned.

Nor is it that the catastrophic undercutting of those structures left a void into which the learned patterns could only continue in a bloody and relentless recurrence of the same: what else do we know how to do, other than steal, rape, cheat, and kill …

Es verwundert dann auch nicht, dass der Ausweg aus der alltäglichen Barbarei in McCarthys Erzählung die (Klein-)Familie ist. Als ob diese in irgendeinem Gegensatz zu gewaltvollen gesellschaftlichen Beziehungen stünde. Williams stellt in diesem Zusammenhang zurecht die Frage: „Why do the vast majority of apocalyptic fantasies assume that things going bad will lead to human relations going far, far worse?“ (Unbewusste) Hobbes-Fans fand ich ja irgendwie noch nie so richtig toll.

The Value of Science Fiction

Donnerstag, Mai 24th, 2012

Von Zeit zu Zeit ist es doch ganz schön, sozusagen von alleroberster Stelle versichert zu bekommen, dass der Gegenstand der eigenen Beschäftigung wertvoll, großartig, wasauchimmer ist. Deshalb dieses kleine Filmchen, aus den 70ern, in dem neun Autoren (darunter auch Isaac Asimov) ihre Vorstellungen über den Wert und die relevanten Themen von Science-Fiction zum Besten geben. Nicht alles erleuchtend, trotzdem interessant und darüber hinaus gibt’s etliche schöne Hornbrillen zu bestaunen. Brought to you by AboutSF:

Und sonst so?

Mittwoch, Mai 23rd, 2012

Die Turbinen der großen Informationsmaschine schweigen nicht und Irgendwas ist bekanntlich immer. Wir wollen es unseren Leser*innen (ich schätze ihre Zahl mittlerweile auf drei) nicht vorenthalten, weshalb ich mich fleißig vor meine Schreibmaschine setze, um zu verkünden und zusammenzufassen, was anderswo in den unendlichen Weiten der Blogosphäre so alles passiert:

Team Valkyrie schreibt über latenten Sexismus und Rassismus in D&D-Comics, dämliche Begründungen und wozu der ganze Mist führt:

You know what I’m talking about. The sexist, racist crap, the stuff that caters to the male gaze, male power fantasies, all that noise. The stuff that shows the genre hasn’t really grown since its original publication in 1974. People have been talking about that, and how much it sucks, and how we should totally fix it, and why we should fix it, and sunshine and puppies and rainbows.

Die dazugehörige Rechtfertigung des Zeichners von Wizards of the Coast findet ihr übrigens hier, garniert mit nicht zu wenig sexistischem Stumpfsinn in den Kommentarspalten. Ihr seid gewarnt.

Derweil widmet sich das Border House Blog dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe in Videospielen, am Beispiel von Mass Effect 3. Wer sich an den homophoben Shitstorm gegen EA  (weil Star Wars: The old republic LGBIT-Content beinhaltete) erinnert,  wird wohl zustimmen, dass es in diesem Bereich nach wie vor finster aussieht.

Und nicht nur weil der dystopische Polizeistaat zu den beliebteren Motiven der Speculative Fiction gehört, hier ein wenig Netzpolitik bzgl. Datensicherheit und Privatsphäre im Web 2.0:

If you use a computer, surf the Internet, text your friends via a mobile phone or shop online – you leave a digital shadow. You want to know how big it is?

Gefunden bei dead cat bounce: Die Applikation Me & my Shadow zeigt an, wo man in den unendlichen Weiten des Internets bereits Spuren hinterlassen hat und wie groß der eigene digitale Schatten ist. Schön anzuschauen und nützlich obendrein.

Zum Schluss noch ein Fundstück der besonderen Sorte: Das Audioarchiv hat einen Mitschnitt des Verhörs Bertolt Brechts vor dem Ausschuss für un-​amerikanische Tätigkeit online gestellt. Absolut hörenswert — nicht nur wegen dem einmaligen Akzent.

(Bild via)

„A fictionalizing philosopher…“

Dienstag, Mai 22nd, 2012


Dass Drogen nach wie vor medial interessanter sind als Gesellschaftskritik, beweist gerade die NY Times: Auf ihrer Homepage läuft momentan eine Artikelserie über Philip K. Dick als „Sci-Fi-Philosopher“. Bisher erschienen sind Part 1: Meditations on a Radiant Fish und Part 2: Future Gnostic. Die Artikel konzentrieren sich stark auf die Ereignisse rund um Februar und März 1974, in denen Dick nach der Einnahme von Natriumpentothal eine Reihe von Visionen erlebte. Bedauerlich: Die Wahrnehmung konzentriert sich so auf die Figur Dicks als eines abgedrehten Sonderlings, auf seine späten mystisch-theologischen Ausflüge einmal hinter den Regenbogen und wieder zurück. Ignoriert werden dabei die sozialen und politischen Implikationen seiner Texte, die Kritik an emotionaler Verarmung als Begleiterscheinung der kapitalistischen Entwicklung, an sozialer Kontrolle und Disziplinierung. Lesenswert sind die Texte dennoch über weite Strecken:

What Dick lacks in academic and scholarly rigor, he more than makes up for in powers of imagination and rich lateral, cumulative association. If he had known more, it might have led him to produce less interesting chains of ideas. In a later remark in “Exegesis,” Dick writes, “I am a fictionalizing philosopher, not a novelist.” He interestingly goes on to add, “The core of my writing is not art but truth.” We seem to be facing an apparent paradox, where the concern with truth, the classical goal of the philosopher, is not judged to be in opposition to fiction, but itself a work a fiction. Dick saw his fiction writing as the creative attempt to describe what he discerned as the true reality. He adds, “I am basically analytical, not creative; my writing is simply a creative way of handling analysis.”

Zombies, Feminismus und die Tücken des „Strong female characters“

Mittwoch, Mai 16th, 2012


Dem Zombie-Film zwar grundsätzlich eher abgeneigt (sehen wir mal von solchen Perlen wie 28 days later ab), bin ich doch kürzlich dank des Blogs fortschritt auf diesen Artikel aufmerksam geworden, der das Thema mal von einer interessanten Seite aufrollt. Behandelt werden Geschlechterrollen in Zombie-Filmen, was mir eine gute Sache scheint. Immerhin ist das Horror-Genre nicht unbedingt dafür bekannt, Frauen abseits von billigen Viktimisierungen überhaupt mal als handelnde Subjekte zu begreifen. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es zwar an weiblichen Zombie-Slayerinnen durchaus nicht mangele, es am Ende allerdings doch wieder die Kerle seien, die im Falle des Zombie-Angriffs auch tatsächlich das Ruder in die Hand nehmen und die verängstigte Dorfbevölkerung in sichere Gefilde führen:

There’s a reason zombie movies default to heroes rather than heroines, and it’s not just because studios won’t greenlight anything with a female lead. It’s reflective of the world we live in. If the rage virus swept across America tomorrow, lots of survivors probably would defer to the most competent man left standing, even if Hillary Clinton (or Condoleezza Rice, for that matter) were right there, dusting off her tattered pantsuit. Zombie narratives are about how normal folks respond to disaster, how you and your neighbors and your coworkers might react in the direst of situations. That’s why they make such convenient vehicles for social commentary.

Kurzum: Gefragt sind strong female characters. Dass es jedoch mit diesen auch nicht immer so einfach ist und nicht jede schießwütige Amazone auch ein positives Role-Model sein muss, machte die Autorin N.K. Jemisin auf ihrem Blog deutlich:

The SFC has programmed us to think “strong” whenever we see a woman with a gun, but not when we see a weaponless woman enduring something that would break another human being. Or we see her, but rationalize away her strength — sometimes until we convince ourselves that it’s something completely different. Strong women would leave an abusive relationship; the ones who stay must be cowards, for example. Or we come up with some other excuse. Even as we’re hit in the face with examples of a woman’s strength across hundreds of different circumstances and in thousands of different expressions, they mean nothing to us. We can’t even see the real strength in real women once we’ve been blinded by the stereotypical strength of the fictional SFC.