Fisher (2011)

Fisher lebt vereinsamt und ausgegrenzt in einer kleinen Hütte an der Küste. Eines Tages veranlasst ihn eine Verkettung ungünstiger Ereignisse zu einer unfreiwilligen Reise der Selbsterkundung auf den Weiten des Meeres. Melancholisch, jedoch nicht ohne Hoffnung.

Ein Raunen des Unbehagens


Ein Mann blickt in die Kamera, er spricht mit langsamer schnarrender Stimme – vom Geruch des Todes, von einem „grey smell“, der das Herz anhält. Dabei wirkt er selbst wie einer, der am Rande des Todes steht oder möglicherweise bereits von dort wieder zurückgekehrt ist. Im Falle des William S. Burroughs wirkt dieses Leben an der Grenze des Lebbaren beinahe wie der grundsätzliche Modus der Existenz.

Yoni Leyser hat sich in seiner aktuellen Dokumentation A man within, die Anfang dieses Jahres erstmals auf Deutsch erschien, auf die Suche nach der flüchtigen Figur des Beatnik-Autoren gemacht und ist dabei, wie zu erwarten war, nicht fündig geworden. Burroughs bleibt auch fünfzehn Jahre nach seinem Tod nicht wirklich greifbar; er, der zu einer Ikone der Schwulenbewegung wurde, dabei gleichzeitig von sich selbst sagte, keinen einzigen Tag in seinem Leben „gay“ gewesen zu sein (obwohl er diverse gleichgeschlechtliche Beziehungen hatte), der im Drogenrausch seine Frau erschoss und anschließend in Südamerika Jahre damit zubrachte, die mystische Droge Yage zu suchen und in London und Tangier seinen legendären Roman Naked Lunch aus einer Zettelsammlung zusammenklebte: ein Buch, das den letzten amerikanischen Zensurprozess zur Folge hatte; ein überwältigendes Konvolut aus Abhandlungen über Dildos, Disziplin, Drogensucht, Mugwump-Aliens und sprechende Arschlöcher. Sein Einfluss, nicht nur auf die Literatur, wie bspw. die New Wave der Science-Fiction, sondern auch auf die Gegenkultur der USA, kann nicht überschätzt werden. Seine in Anlehnung an Brian Gosyn entwickelte Cut-Up-Technik, bei der Schnipsel aus zuvor Geschriebenem neu und zufällig zusammengesetzt werden, fand zahlreiche Nachahmer.

Auch Leysers Dokumentation erinnert an ein Cut-Up: Nicht-linear erzählt, streift der Film Vieles; wirbelt Fragmente, Interviews und Lesungen des kauzigen Mannes mit dem Hut durcheinander und entzieht sich so dem naheliegenden Versuch, Burroughs‘ Leben und Schaffen in ein übergeordnetes Thema zu integrieren: die Sinn-Maschinen schweigen. Im Zuge dieses Verfahrens werden zahlreiche auf ihre ganz eigene Art und Weise berührende Teile zusammengeklebt: Wenn Burroughs und sein langjähriger Weggefährte Allen Ginsberg ganz wie ein altes Ehepaar zusammensitzen und über ihre gemeinsame Zeit sprechen, scheint für einen kurzen Moment ein anderes Bild durch, das nicht recht passen will in den Rahmen, der durch langjährige Drogensucht, Waffenfetischismus und emotionale Kälte gezeichnet zu sein scheint. Leysers Annäherung ist zwar nicht frei von vitalistischem Geniekult, erliegt aber nicht ganz der Versuchung, sondern kehrt immer wieder auch die düsteren problematischen Seiten des Schriftstellers nach oben, die eine reine Identifizierung mit der widersprüchlichen Figur Burroughs verunmöglichen.

A man within ist jedoch weit mehr als nur ein zeithistorisches Fotoalbum mit Randnotizen: Leysers Machwerk muss ebenso als Versuch über einen Versuch gelesen werden – den Versuch, Poesie fernab kapitalistischer Übercodierung und Wunschproduktion zu schreiben und zu leben, einen Ort zu suchen, an dem das Subjekt frei ist von den Zugriffen der gesellschaftlichen Normalisierungsmacht und deren ausführenden Kontrollinstanzen. Glen Burns konstatierte Burroughs später, er habe zahlreiche Themen vorweggenommen, die später im Zentrum der poststrukturalistischen Theoriebildung aufkamen. So ließ sich Gilles Deleuze von Burroughs‘ Bestimmungen solcher Begriffe wie den der „Algebra des Verlangens“ inspirieren und proklamierte den Übergang von der Disziplinargesellschaft (die Foucault in Überwachen und Strafen beschrieb) zur Kontrollgesellschaft, während Burroughs nach Wegen suchte, den ständigen Bedrohungen dieses „neuen Monsters“ zu entgehen und wirkliche Befriedigung zu erfahren. Und wo Burroughs in Naked Lunch einen Raum zu errichten versucht, in dem das Verlangen nicht im Rahmen der bestehenden Institutionen kanalisiert wird, versucht Deleuze die gesellschaftlichen Verschiebungen in der Theorie zu bestimmen, ausgehend von der Frage der freiwilligen Knechtschaft, die sich nicht erst seit dem Scheitern von 1968 stellte. Dazu beschreibt er die Genese diverser „Kontrollformen mit freiheitlichem Aussehen“. An die Stelle der Fabrik, die noch ein Körper war, tritt das Unternehmen, das nun eine Seele ist. Deleuze schreibt: „Die Fabrik setzte die Individuen zu einem Körper zusammen, zum zweifachen Vorteil des Patronats, das jedes Element in der Masse überwachte, und der Gewerkschaften, die eine Widerstandsmasse mobilisierten; das Unternehmen jedoch verbreitet ständig eine unhintergehbare Rivalität als heilsamen Wetteifer und ausgezeichnete Motivation, die die Individuen zueinander in Gegensatz bringt, jedes von ihnen durchläuft und in sich selbst spaltet.“ (Deleuze: Postskriptum über die Kontrollgesellschaften, S. 257)

In diesem Kontext müsste auch Burroughs‘ literarische Technik des Cut-Up verstanden werden: Als Ansatz, um eben dieser Durchdringung zu entkommen, der in der Tradition des Surrealismus steht, dessen Vertreter_innen allein das vom Zufall Offenbarte frei sahen von ideologischer Überformung und der totalen Verdinglichung der menschlichen Beziehungen – eine Hoffnung, die sich als Trugschluss offenbarte, aber dennoch als Versuch ernst genommen werden sollte. Und so bleibt auch am Ende von A man within kein Lebens- oder Werkentwurf bestehen, der zu übernehmen bzw. auf die heutige Zeit übertragbar wäre. Was bleibt ist die Erinnerung an Patti Smith, die in einer beeindruckenden Performance die Einleitung aus Burroughs‘ semi-autobiographischem Roman Queer vorträgt, dabei in unverständlichem Raunen endet. Es ist ein Raunen des Unbehagens über das Bestehende mit all seinen Zumutungen, das Raunen der Ausgeschlossenen und Abgeschriebenen.

Ballard, die Stadt, das Spektakel


Ein weiterer Liebesbrief: Ballardian ist eine beeindruckende Sammlung von Artikeln, Essays, Interviews, Bildern und Videos, die sich aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem umfangreichen Werk J.G. Ballards auseinandersetzen. Ansatz des Projekts ist es, die Analysen nicht auf das literarische Feld zu beschränken, sondern vielmehr die Suche nach Querverbindungen mit der Welt der Mode, des Films, der Musik und selbstverständlich der Architektur anzuregen. Simon Sellars, der die Seite betreut, arbeitet offensichtlich gerade an einem Buch, welches den Titel Applied Ballardianism tragen wird. Einen ungefähren Eindruck der versammelten Inhalte vermittelt die Definition des Wortes ballardian:

BALLARDIAN: (adj) 1. of James Graham Ballard (J.G. Ballard; born 1930), the British novelist, or his works. (2) resembling or suggestive of the conditions described in Ballard’s novels & stories, esp. dystopian modernity, bleak man-made landscapes & the psychological effects of technological, social or environmental developments.

Besonders Architekt_innen scheinen seit geraumer Zeit Gefallen an Ballards bedrückenden urbanen Visionen zu finden. Geoff Manaugh, der Betreiber des BLDG-Blogs, nennt Ballard als eine seiner zentralen Inspirationsquellen. Aber auch weitergehende Untersuchungen, die sich mit den verschiedenen Implikationen des (post-)modernen Stadtlebens auseiandersetzten, wurden von Ballards Motiven beeinflusst. Durch Sellars‘ Blog wurde ich nun auf ein Symposium der Londoner Royal Academy of Arts aufmerksam, das 2010 stattfand und den Titel Ballardian Architecture: Inner and Outer Space trug. Die einzelnen Beiträge klingen äußerst vielversprechend.

Acclaimed writer JG Ballard derived inspiration from aspects of the built environment that architectural convention and critics tend to overlook. His novels offer many insights into the flaws and consequences of the shopping centres, car parks, hotels, office towers and housing projects that make up so much of contemporary architectural endeavour. This forum traces several themes in Ballard’s literary analysis of the contemporary built environment, including the concept of spectacle and role of the media in contemporary society, and how “invisible literatures” such as scientific journals, technical manuals, pornography, advertising copy can be seen as a literary counterpart to pop art and the “brutalist” aesthetic of modernity.

Dabei fand ich besonders das Referat des Philosophen John Gray interessant, der sich auf die Suche nach Analogien zwischen Ballards Vorstellung des urbanen Lebens und Guy Debords Begriff des Spektakels machte und in diesem Zusammenhang verschiedene aktuelle soziale Phänomene analysiert. Auch wenn ich ansonsten mit Grays Theorien herzlich wenig anfangen kann (insbesondere seine Vorstellungen zu Themen wie dem Humanismus oder dem utopischen Denken), äußert er in diesem kurzen Vortrag doch einige aufschlussreiche Gedanken. Ihr seid eingeladen, euch ein eigenes Bild zu machen.

Wie weit stehe ich neben mir?


Ihr mögt mir bitte verzeihen, wenn ich bei diesem Post etwas ins Schwärmen gerate. Mit Skhizein erschuf der französische Regisseur Jérémy Clapin ein Fragment; einen Kurzfilm, der andeutet, aber nicht erklärt; eine vorsichtige Annäherung, ein meditatives Kreisen, welches die Betrachtenden nach dreizehn Minuten aufgewühlt zurücklässt. Henry, der von einem Meteoriten getroffen wurde, war vor diesem Zwischenfall „normal“ gewesen – doch nun schwebt er 91 cm neben sich in der Luft. Er ist – im wörtlichen Sinne – verrückt. Doch damit möchte er sich nicht abfinden: Nach ergebnislosen Therapiesitzungen begibt sich auf ein Feld, um sich erneut treffen zu lassen, in der Hoffnung zurückversetzt zu werden.

Der Titel Skhizein kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „abspalten“: Analog zu Adornos in der Minima Moralia geäußerten Überzeugung, dass über das beschädigte Leben in der bestehenden Gesellschaft nur in Versatzstücken geschrieben werden könne, ist auch Skhizein melancholisches Versatz- und Bruchstück über eine gespaltene Existenz, die sich auf einer Fluchtlinie, auf der Suche nach einem Ausweg befindet.

Retrospektive Runden und schlechte Analogien: Querverweise für den 30. Juli

© George Munteanu
The New Yorker hatte Anfang Juni eine ganze Ausgabe dem Thema Science-Fiction gewidmet. Zwar benötigen die meisten Artikel einen Subscriber-Status, um sie online lesen zu können — trotzdem sind einige lesenswerte Texte auch frei verfügbar: So hat sich bspw. Laura Miller mit den Bildern extraterrestrischer Wesen beschäftigt und geht der Frage nach, wie die ersten Aliens aussahen. Cyberpunk-Legende William Gibson wirft derweil einen Blick zurück in die verrückten 50er Jahre und seine erste Begegnung mit SF-Literatur: Olds Rocket 88, 1950. Auch Colson Whitehead wühlt in Kindheitserinnerungen und schreibt in A Psychotronic Childhood über seine frühe Obsession für Horror-B-Movies.

Dass Verhältnisse zwischen Menschen und Aliens bzw. Trollen, Elfen usw. in der SFF-Literatur nicht automatisch eine gute Analogie zu reell existierenden Konflikten rund um die Themenkomplexe Migration und Rassismus bilden müssen, führt Aliette de Bodard auf ihrem Blog aus:

Vampires are rightly discriminated against because they feed on blood and kill human people; the fae have wild and dangerous magic and toy with human lives; and aliens really are different species.
Foreigners and immigrants are none of these. They’re human; they have no special magical powers; and above all, they don’t make a habit of hunting down human people or drinking their blood. All of these have been used against POCs/minorities at some point: the different species to justify racial classification; the magical powers in what I call the “mystical East” clichés (but also in tropes like the Magical Negro or The Native American In Tune With Nature); and the drinking of blood in stuff like blood libel.

Außerdem würde ich euch gerne auf einen schönen Text aufmerksam machen, der vor kurzem bei Tor erschienen ist. Steven Padnick fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit Kategorien wie abled/disabled im Superhero-Genre:

Over the years, superhero comics have diversified their roster of characters by adding more female heroes, more heroes of color, with diverse religions and even different sexual orientations, and thus allowed more of their audience to see more of themselves in their heroes. One way I think they can continue to improve is by adding more heroes with disabilities.

As a genre, superheroes explore power and play with what the human body can and cannot do. As such, it’s a perfect forum to portray the lives of the differently abled, what they can do, what they can’t, and how society treats them based on assumptions and prejudice.

Wer sich weitergehend mit der Thematik beschäftigen möchte, dem lege ich übrigens den Text von Rebecca Maskos „Was heißt Ableism?“ aus der arranca ans Herz. Darüber hinaus gibt es beim Audioarchiv auch ein hörenswertes Feature, das sich dem Thema Sexualität und Behinderung widmet.

Bilder via

(Re)reading Queerly

Eine kleine Lektüreempfehlung für euch: Angeregt durch die hier stattgefundene Diskussion habe ich mich noch einmal auf die Suche nach Texten gemacht, die sich explizit mit dem Thema Geschlecht innerhalb des SF-Genres auseinandersetzen. Dabei stieß ich auf einen Artikel von Veronica Hollinger, ihres Zeichens Dozentin für Cultural Studies an der Trent University, aus einer älteren Ausgabe der Science-Fiction-Studies: (Re)reading Queerly: Science Fiction, Feminism, and the Defamiliarization of Gender. Hollinger macht sich daran, aus einer queer-feministischen Perspektive und innerhalb des theoretischen Konzepts von gender-as-performance Geschlechterverhältnisse in SF-Texten zu analysieren; am Beispiel von Joanna Russ, James Tiptree Jr. und C.L. Moore. Was ihren Ansatz dabei so interessant macht, ist, dass sie nicht bei der bloßen Darstellung von bspw. weiblichen Figuren stehen bleibt, sondern Überlegungen anstellt, wie Science-Fiction-Literatur zur kritischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Kategorie Geschlecht (mitsamt den sich daraus ergebenden Implikationen) und zur Dekonstruktion hegemonialer Vorstellungen über „natürliche“ Sexualitäten beitragen kann.

All too often, heteronormativity is embedded in both theory and fiction as „natural“ and „universal,“ a kind of barely glimpsed default gender setting which remains unquestioned and untheorized. Science fiction would seem to be ideally suited, as a narrative mode, to the construction of imaginative challenges to the smoothly oiled technologies of heteronormativity, especially when/as these almost invisible technologies are pressed into the service of a coercive regime of compulsory heterosexuality. However, in spite of science fiction’s function as a literature of cognitive estrangement, and in spite of the work of both feminist writers and critics in their on-going efforts to re-think the problematics of gender—especially gender’s impact on the lives of women—heterosexuality as an institutionalized nexus of human activity remains stubbornly resistant to defamiliarization. On the whole, science fiction is an overwhelmingly straight discourse, not least because of the covert yet almost completely totalizing ideological hold heterosexuality has on our culture’s ability to imagine itself otherwise. Both science fiction as a narrative field and feminism as a political and theoretical field work themselves out, for the most part, within the terms of an almost completely naturalized heterosexual binary. As Michael Warner puts it, „Het culture thinks of itself as the elemental form of human association, as the very model of inter-gender relations, as the indivisible basis of all community, and as the means of reproduction without which society wouldn’t exist“

Und da dieser Artikel schon so manchen Sommer gesehen hat, möchte ich hier gleich noch auf etwas Aktuelleres aufmerksam machen. In einem Podcast des Toronto Review of Books vom 30. März spricht Hollinger über Technologies of Enchantment in Science Fiction.

Semiconductor #2: 20 Hertz

20 Hz observes a geo-magnetic storm occurring in the Earth’s upper atmosphere. Working with data collected from the CARISMA radio array and interpreted as audio, we hear tweeting and rumbles caused by incoming solar wind, captured at the frequency of 20 Hertz. Generated directly by the sound, tangible and sculptural forms emerge suggestive of scientific visualisations. As different frequencies interact both visually and aurally, complex patterns emerge to create interference phenomena that probe the limits of our perception.

Reaktionäre Helden


Eines der sehnsüchtigst erwarteten Machwerke des großen Hollywood-Apparates, der neue Nolan-Batman-Streifen The Dark Knight Rises, erreicht in diesen Tagen die Kinosäle. Neben allerlei vorfreudigen Beschwörungen fand ich auch einen interessanten Essay, den Elliott Prasse-Freeman und Sayres Rudy für The New Inquiry schrieben. Sie vertreten darin die These, dass aktuelle soziale Kämpfe (insbesondere die Occupy-Bewegung) mittlerweile Hollywood erreicht hätten. The Dark Knight Rises lesen beide demzufolge als „the first mass-culture artifact of the Occupy era“, in dem die Rolle und kulturelle Bedeutung der Figur Batmans vollkommen neu bestimmt werden müsse, was sie am Beispiel eines der Trailer verdeutlichen:

The trailer opens with a cherubic boy singing the Star-Spangled Banner at a football game before calm inevitably gives way to storm: a gas-masked sadist blows up the field, prisoners riot, swat teams assemble, a tank fires on city hall, a hover craft flies through the streets, and so on. These rapid-fire cuts act as bundled spectacles of stimulation: Look at all this action you are going to enjoy! Hence our attention lingers when the clip slows down. There are three such moments: butler Alfred comforts a forlorn Bruce Wayne by invoking Bruce’s orphan-related trauma, the boy sings the American anthem, and then — the longest by far — an extended ballroom scene where a spectral Anne Hathaway whispers in Bruce Wayne’s ear:

„You think this can last. There is a storm coming, Mr. Wayne. You and your friends better batten down the hatches, because when it hits, you’re all going to wonder how you ever thought you could live so large and leave so little for the rest of us.“

Class tension here is not only directly addressed but presented as the central threat to which Batman must respond. The next shots are of rioting prisoners and others chanting a phrase in a foreign language. What are they saying? “Rise,” we are told. Rise? Is this a working-class revolution we are being promised?

Batman könne deshalb auch nicht mehr als „der Gute“ herhalten, da er das unmenschliche System von Gotham City (als Synonym für die spät-kapitalistische Stadt) mitsamt seiner Korruption und Ausbeutung gegen Aufstände und Unruhen verteidigt. Stattdessen wäre es nötig, seine neue Rolle als die des Villains zu bestimmen — eine Funktion, die er einfach noch nicht realisiert hat:

The justification for Wayne’s wealth has always been that it afforded him resources to “fight crime” as a semi-reclusive philanthropist and as Batman. But as the first film in the Nolan reboot, Batman Begins, emphasizes, degenerate street criminals and not super-villains motivate Batman by murdering Bruce’s parents, whose beneficent philanthropy had been all that was keeping Gotham City’s ungrateful poor from destitution. A war on street criminals can be read uncomplicatedly as a war on the poor.
[…]
Wayne personifies capitalist firms’ “legitimate” expansion — assimilation to the military complex and consolidation with finance capital — and capture of the political process. Note that in The Dark Knight, when hailing Harvey Dent as Gotham’s savior in a scene glorifying his super-sovereignty, Wayne tells Dent, “One fundraiser with my pals … you’ll never need another cent.” Batman, meanwhile, personifies the extra-juridical violence needed to clean up the messes Wayne’s system produces. Batman is the barely veiled, ever-necessary, and always spectacular violence that haunts Gotham.

 

Introducing Semiconductor: Brilliant Noise

Für diejenigen unter euch, die sich schon immer die Frage gestellt haben, wie sich Space Weather wohl genau anhören mag: Semiconductor geben euch die Antwort darauf. Das britische Künstler_innen-Duo, bestehend aus Ruth Jarman und Joe Gerhardt, erschafft seit 1999 u.a. aus dem Bildmaterial der NASA kleine eindrucksvolle, bisweilen verstörende Videokunstwerke.

Brilliant Noise takes us into the data vaults of solar astronomy. After sifting through hundreds of thousands of computer files, made accessible via open access archives, Semiconductor have brought together some of the sun’s finest unseen moments. These images have been kept in their most raw form, revealing the energetic particles and solar wind as a rain of white noise. This grainy black and white quality is routinely cleaned up by NASA, hiding the processes and mechanics in action behind the capturing procedure. Most of the imagery has been collected as single snapshots containing additional information, by satellites orbiting the Earth. They are then reorganised into their spectral groups to create time-lapse sequences. The soundtrack highlights the hidden forces at play upon the solar surface, by directly translating areas of intensity within the image brightness into layers of audio manipulation and radio frequencies.

Lesestoff und Liebesbriefe


Auf SF Signal gibt es eine interessante Artikelreihe namens Mind Meld, in der in unregelmäßigen Abständen SF-Autor_innen zu verschiedenen Themen befragt werden. Die aktuelle Folge kann ich sehr empfehlen, es geht um die Frage: Which non-fiction books about science fiction should be in every fan’s library? Wenn ihr also gerade auf der Suche nach Enzyklopädien, geschichtlichen Abrissen, Biographien und theoretischen Abhandlungen rund um das weite Feld der Speculative Fiction seid — dort werdet ihr fündig.

Das Schriftsonar macht derweil etwas äußerst lobenswertes und setzt sich in einem Podcast mit Sci-Fi-Literatur aus Afrika auseinander. Da auch das SF-Genre nach wie vor stark von weißen Männern dominiert wird und literarische Werke aus dem globalen Süden kaum rezipiert werden, kann es eigentlich garnicht genug solcher Beiträge geben:

Das Genre der Science Fiction Literatur ist vor allem eine anglo-amerikanische Angelegenheit. Neben den Publikationen aus den USA und Großbritannien spielen Romane aus anderen Ländern nur eine Nebenrolle. Die sogenannte “internationale SF Szene” ist recht einseitig sortiert. Die Europäer sind daran gewöhnt, dass ihre Science Fiction Autoren nur im eigenen Land und oft nur am Rande wahrgenommen werden. Wie ist dies aber erst, wenn wir in andere Regionen blicken? Gibt es Science Fiction aus Afrika, aus Asien oder Arabien? Welche Rolle spielen kulturelle Dominanz und westliche Weltbilder bei der Eingrenzung des SF Genres? Was gibt es zu entdecken – jenseits von Anglo-Amerika?

Lesenswert sind auch die Beiträge auf Africa is a country, die sich mit der Repräsentation afrikanischer Speculative Fiction in einer Ausstellung in Bristol beschäftigten. Nachzulesen gibt es das hier und hier. Aufmerksam darauf wurde ich durch Femgeeks.

Ein Blog, in das ich mich kürzlich Hals über Kopf verliebte, ist übrigens Science Fictional. Dabei handelt es sich um eine große wundervolle Collage aus Retro-SF-Bildmaterial, Kurzfilmen und Fragmenten aus der Forschungsliteratur, die der Mensch hinter diesem Projekt offensichtlich für seinen_ihren PhD verwendet. Das Ganze trägt dann Titel wie Gothic Futurism and Ikonoklast Panzerism oder Waspships with a laser sting und hat nicht nur ästhetischen Wert, sondern ist auch eine enorme Inspirationsquelle.

Und zum Schluss noch etwas fürs Ohr: SFX hat eine Top-Ten der besten Sound-Effekte aus Fantasy- und Sci-Fi-Filme und Serien zusammengestellt. Die Auswahl reicht von den automatischen Türen bei Star Trek bis zum Brüllen Godzillas aus dem 1954er Film. Enjoy!


Die schmucken Retro-NASA-Bilder stammen übrigens aus diesem Album.