Ballardian landscapes


Menschenleere Ödnis, unendlicher Raum; ein monoton dröhnender Loop setzt ein, Sand weht über die verlassene Straße. Nächster Film: Gigantische Glaspaläste wuchern in den Himmel. Gefangen auf einer Verkehrsinsel ändert auch der nicht abreißende Strom von Autos nichts an der eigenen Isolation. Schleppende psychedelische Beats strukturieren das Bild, lassen das Bedrohliche im Alltäglichen deutlich hervortreten.
Der Video- und Klangkünster Paul H. Williams fängt in seinen Kurzfilmen Themen und Stimmungen des 2009 verstorbenen SF-Autors J.G. Ballard ein, die er aus dem Bildmaterial zusammensetzt, das ihm das rasant wachsende Abu Dhabi bietet. Dabei entstehen beeindruckede Momentaufnahmen verschiedener Facetten gegenwärtiger Urbanität und Stadtentwicklung: „Best experienced with headphones.“


Leider beschränkt Williams das Einbetten seiner Videos (er mag seine Gründe dafür haben), weshalb ihr euch diesmal mit Click-Through-Links begnügen müsst. Verlinkt habe ich die Kurzfilme nach den Stories Vermilion Sands und Concrete Island. Der Rest des Werks ist aber nicht minder magnifique.

Free stuff

Da ich in den letzten Tagen nicht viel zum Schreiben kam, möchte ich an dieser Stelle nur kurz auf eine weitere schöne Homepage aufmerksam machen. Auf Free Speculative Fiction Online gibt es eine nicht gerade kleine Menge an kostenlosen (und zudem legalen) Speculative-Fiction-Stories von Asimov bis Zelazny zum Herunterladen oder als Verlinkung. Die meisten Stories stehen entweder unter (verschiedenen) Creative-Commons-Lizenzen oder sind Teil des Project Gutenberg. Dabei beinhaltet das Archiv nicht nur ältere Publikationen, sondern zu weiten Teilen auch aktuelle SF. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern.

„The way the future blogs“


Etwas erstaunt war ich doch, als ich entdeckte, dass Science-Fiction-Urgestein Frederik Pohl (Jahrgang 1919) seit ein paar Jahren ganz still und heimlich ein Blog führt. Der mehrfache Hugo- und Nebula-Award-Gewinner schreibt dort über seine neuesten Bücher, die aktuelle US-Politik, Ökologie und die Occupy-Bewegung. Besonders interessant ist das Ganze aber v.a. weil Pohl seine Erinnerungen sowohl als Autor als auch als Herausgeber der Zeitschriften Galaxy und If in zahlreichen Beiträgen protokolliert, darunter auch viele Texte über seine langjährige Freundschaft zu Isaac Asimov. Pohls Blog ist darum auch ein einmaliger Insider-Einblick in das Golden Age der Science Fiction. Als kleine Leseprobe soll hier ein Text über die Futurians, eine Gruppe von SF-Fans, -Autoren und -Redakteuren aus New York, dienen. Mehr davon gibt es auf The way the future blogs:

In those long and long-ago days — it’s been half a century! — we were not only young, we were mostly poor. We were all pretty skinny, too, though you wouldn’t think that to look at us now. I know this, because I have a picture of the twelve of us that was taken right around 1939. I dug it out to loan it to my publisher’s public relations people just the other day, and I looked at it for a long time before I put it in the overnight mail. We didn’t took like much, all grinning into the camera with our hairless, hopeful teenage faces. If you’d been given a couple of chances to guess, you might have thought we were a dozen Western Union boys on our day off (remember Western Union boys?), or maybe the senior debating club at some big-city all-boy high school. We weren’t any of those things, though. What we actually were was a club of red-hot science-fiction fans, and we called ourselves the Futurians.

That old photograph didn’t lie. It just didn’t tell the whole truth. The camera couldn’t capture the things that kept us together, because they were all inside our heads. For one thing, we were pretty smart — we knew it ourselves, and we were very willing to tell you so. For another, we were all deeply addicted readers of science fiction — we called it “stf “in those days, but that’s a whole other story. We thought stf was a lot of fun (all those jazzy rocket ships and zippy death rays, and big-chested Martians and squat, sinister monsters from Jupiter — oh, wow!) That wasn’t all of it, though. We also thought stf was important. We were absolutely sure that it provided the best view anyone could have of T*H*E F*U*T*U*R *E, by which we meant the kind of technologically dazzling, socially Utopian, and generally wonderful world which the rather frayed and frightening one we were stuck with living in might someday become.

Kurzfilme mit kleinen Robotern #3: Little big love (2004)

Wir setzen die Reihe fort, doch ich muss euch warnen: Dieser hier ist wirklich traurig. Thomas Mankovsky schreibt: „Love is hard when you’re a little robot in a big world.“ Ich bin geneigt, dem zuzustimmen.

Samuel R. Delany und die Sollbruchstellen der Ideologie

In schlechter akademischer Manier möchte ich meine Conclusio gleich an den Anfang stellen: Lest Delany! Tut es wirklich. Dafür gibt es gute Gründe: Nicht nur weil er das ist, was Feuilletonisten gern eine „schillernde Figur“ nennen – und auch nicht nur aus dem Grund heraus, dass er in den 1960ern getan hat, was lange überfällig war; nämlich die Science-Fiction-Literatur weißen Männern zu entreißen. Vor allem eigentlich deshalb, weil er wirklich ein guter Schriftsteller ist.

Delany lässt sich wohl grob der sogenannten New Wave zurechnen, jener Generation von Sci-Fi-Autor*innen also, die es sich zum Ziel gemacht hatten, mit den bestehenden Konventionen des Genres zu brechen. Dies betraf einerseits die Form: Durch Montagetechniken, den Einsatz des stream of consciousness, gezielt eingesetzte Ironie etc. näherte sich das Genre der literarischen Avantgarde der 1920er Jahre an. Andererseits wurde diese experimentelle Herangehensweise zumindest bei Teilen der Szene durch eine inhaltliche Erweiterung bzw. Radikalisierung ergänzt: Die New Wave warf nicht nur gezielt Themen wie Sexualität und Ausbeutung in den Genre-Diskurs, sie setzte auch den optimistischen Zukunftsentwürfen der vorherigen Generation gesellschaftliche Dystopien entgegen.

In dieser Zeit erscheint nun der junge Samuel R. Delany auf der Bildfläche, ein homosexueller Schwarzer aus Harlem, und schreibt mit 19 Jahren seinen ersten Roman: The Jewels of Aptor. 1966 erscheint Babel-17, das nicht nur Delany zu schlagartiger Bekanntheit verhilft, sondern dem es auch gelingt, mich 46 Jahre später immens zu begeistern.
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Cassini Mission

Saturn … und dahinter die Unendlichkeit: Chris Abbas hat die Bilder der Cassini-Huygens-Mission, bei der zwei Raumsonden zum Saturn und seinen Monden geschickt wurden, zu einem beeindruckenden Kurzfilm montiert, den ich euch gerne präsentiere. Bei aller Bildgewalt verliert die Kritik an der Mission jedoch nicht ihre Berechtigung. Blinde Begeisterung für den technischen Fortschritt ist auch hier fehl am Platz.

Mehr Roboter-Content: Hum (2007)

Vielleicht sollten wir daraus eine Reihe machen: „Kurzfilme mit kleinen Robotern darin“. Würden wir damit die Herzen unserer Leser*innen erwärmen? Who knows? Nummer zwei ist jedenfalls das Filmchen „Hum“ des dänischen Zeichners Søren Bendt aus dem Jahre 2007. Diesmal zwar nicht Retro, trotzdem sehenswert (und auch ein bischen niedlich).

Einsteins Grab

Die Frage, wer die neue Welt bauen solle, wurde ja schon vor einiger Zeit zur Genüge beantwortet. Die Frage allerdings, wer den Plan dafür zeichnen soll, blieb und bleibt offen (was auch gut so ist). Trotzdem ist es nicht zu früh, sich Gedanken über die Stadt nach der Stadt zu machen. Eine Inspiration für ein solches neues Nachdenken über den Raum und über eine Transformation des Urbanen liefern u.a. die Arbeiten von Lebbeus Woods, seines Zeichens experimenteller Architekt und radikaler Tüftler. Beachtet seinen Entwurf für Einsteins Grab!

In 1980, Lebbeus Woods proposed a tomb for Albert Einstein – the so-called
Einstein Tomb – inspired by Boullée’s famous Cenotaph for Newton.
But Woods’s proposal wasn’t some paltry gravestone or intricate mausoleum in
hewn granite: it was an asymmetrical space station traveling on the gravitational
warp and weft of infinite emptiness, passing through clouds of mutational
radiation, riding electromagnetic currents into the void.
Geoff Manaugh

-Bilder via

George und die weiße Zivilisierungsmission


Zeit für eine Rückkehr an die Gestade der sieben Königreiche: Auch wenn die zweite Staffel „Game of Thrones“ mittlerweile über die Bühne ist, kann ich nicht anders als noch einmal nachzutreten. Es mag an meiner finsteren Natur liegen, oder auch an der Tatsache, dass phantastische Literatur recht selten in diesem Kontext analysiert wird. However: Einen Aspekt, der mir persönlich wichtig ist, habe ich bei meinem letzten Beitrag außen vor gelassen und werde ihn deshalb nun nachreichen.

Ich will noch einmal das Beispiel Daenerys aufgreifen. Sie präsentiert sich uns ja einerseits als positive Figur bzw. wird gezielt so inszeniert. Trotzdem wird gerade an ihr etwas offenbar, was sich nicht nur durch „A song of ice and fire“ zieht, sondern mir als ein generelles Phänomen erscheint, das immer wieder in phantastischer Literatur auftritt: Der Vorgang des Othering, also der Konstruktion des „Anderen“.

Daenerys funktioniert zunächst als Element der Kontrastierung. Sie musste aus Westeros fliehen, wird dann von ihrem Bruder an Khal Drogo verkauft und zieht schlussendlich mit ihm und seinem Khalasar durch die Welt. Wir nehmen die kulturelle Praxis der Dothraki also durch sie wahr, demnach auch stets in Abgrenzung zu ihren gewohnten kulturellen Normen, die mit den „fremden“ in permanentem Vergleich stehen. Die Erzählung ist in der Perspektivierung frühen europäischen Reiseberichten nicht unähnlich, die eine zentrale Rolle gespielt haben, was die Ausformung „unseres“ Bildes auf „fremde Kulturen“ angeht.

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The Cathedral

A little Eyecandy for you: Nach der Kurzgeschichte „Katedra“ des polnischen SF/F-Autors Jacek Dukaj gedreht, wurde dieses kleine Schmuckstück sogar für einen Academy Award nominiert. Wir wünschen gute Unterhaltung.

So, then: the Cathedral. It’s enormous, magnificent. You exit the biosphere lock, and you see it before you, above you, a ragged shadow against the stars. Light is needed for you to take in the architecture, but there is no light, for Lévie is distant now and Madeleine not yet close enough. Through the long period of the cosmic interhelium, the Cathedral is above all other things a Mystery. From the lock to the main portal a crooked track runs down the crater slope along a path cut into the cold stone. You descend with the required safety line clipped to your belt by the robot that mans the outer gate. Typically the descending visitor, curious, will switch on the powerful lamp of his suit. But the lamp’s white finger can touch only separate spots of the edifice, moving from one to the other–here, there–like a feeble probe across an outer skin.