Posts Tagged ‘Feminismus’

(Re)reading Queerly

Samstag, Juli 28th, 2012

Eine kleine Lektüreempfehlung für euch: Angeregt durch die hier stattgefundene Diskussion habe ich mich noch einmal auf die Suche nach Texten gemacht, die sich explizit mit dem Thema Geschlecht innerhalb des SF-Genres auseinandersetzen. Dabei stieß ich auf einen Artikel von Veronica Hollinger, ihres Zeichens Dozentin für Cultural Studies an der Trent University, aus einer älteren Ausgabe der Science-Fiction-Studies: (Re)reading Queerly: Science Fiction, Feminism, and the Defamiliarization of Gender. Hollinger macht sich daran, aus einer queer-feministischen Perspektive und innerhalb des theoretischen Konzepts von gender-as-performance Geschlechterverhältnisse in SF-Texten zu analysieren; am Beispiel von Joanna Russ, James Tiptree Jr. und C.L. Moore. Was ihren Ansatz dabei so interessant macht, ist, dass sie nicht bei der bloßen Darstellung von bspw. weiblichen Figuren stehen bleibt, sondern Überlegungen anstellt, wie Science-Fiction-Literatur zur kritischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Kategorie Geschlecht (mitsamt den sich daraus ergebenden Implikationen) und zur Dekonstruktion hegemonialer Vorstellungen über „natürliche“ Sexualitäten beitragen kann.

All too often, heteronormativity is embedded in both theory and fiction as „natural“ and „universal,“ a kind of barely glimpsed default gender setting which remains unquestioned and untheorized. Science fiction would seem to be ideally suited, as a narrative mode, to the construction of imaginative challenges to the smoothly oiled technologies of heteronormativity, especially when/as these almost invisible technologies are pressed into the service of a coercive regime of compulsory heterosexuality. However, in spite of science fiction’s function as a literature of cognitive estrangement, and in spite of the work of both feminist writers and critics in their on-going efforts to re-think the problematics of gender—especially gender’s impact on the lives of women—heterosexuality as an institutionalized nexus of human activity remains stubbornly resistant to defamiliarization. On the whole, science fiction is an overwhelmingly straight discourse, not least because of the covert yet almost completely totalizing ideological hold heterosexuality has on our culture’s ability to imagine itself otherwise. Both science fiction as a narrative field and feminism as a political and theoretical field work themselves out, for the most part, within the terms of an almost completely naturalized heterosexual binary. As Michael Warner puts it, „Het culture thinks of itself as the elemental form of human association, as the very model of inter-gender relations, as the indivisible basis of all community, and as the means of reproduction without which society wouldn’t exist“

Und da dieser Artikel schon so manchen Sommer gesehen hat, möchte ich hier gleich noch auf etwas Aktuelleres aufmerksam machen. In einem Podcast des Toronto Review of Books vom 30. März spricht Hollinger über Technologies of Enchantment in Science Fiction.

Out of this world

Montag, Juni 4th, 2012

Von Zeit zu Zeit beschleicht mich ein ungutes Gefühl. Es wiederholt sich immer wieder: Sobald ich eine tolle Sache entdecke, muss ich als nächstes feststellen, dass ich zu spät bin; dass sich die Kapelle aufgelöst hat, die Veranstaltungsreihe abgebrochen wurde usw. So auch bei den Out-of-this-world-Kongressen, die zwischen 2000 und 2004 in Bremen stattfanden. Auch hier brauchte es erst den Tipp eines gastierenden Referenten (der sich als Fellow nerd entpuppte), bis ich auf diese Kongresse aufmerksam wurde, auf denen versucht wurde, das Verhältnis von Science-Fiction, Gesellschaftskritik und Utopie auszuloten. Und selbstverständlich war der letzte Kongress bereits gelaufen. Mein heiliger Zorn hält sich allerdings in Grenzen, da ich vor ein paar Tagen auf Jakobs Blog, den Reader des zweiten Kongresses entdeckte, der frei zur Verfügung steht. Ich wünsche viel Vergnügen.

Jean Giraud, Underdogs und das Ende der Science-Fiction: Ein großer Haufen Querverweise

Donnerstag, Mai 31st, 2012

Obiges Bild stammt von dem unbeschreiblichen Jean Giraud, besser bekannt als Moebius. Auf Sci-Fi-O-Rama gibt es einen Nachruf auf den Künstler und Illustrator, der u.a. für die Zeichnungen der Silver-Surfer-Comics verantwortlich war, und am 10. März diesen Jahres starb.

Jean Giraud was one of the worlds finest comic artists and fantasists, up there with luminaries such as Federico Fellini, Stan Lee and Hayao Miyazaki . Perhaps in fact he was the finest, I don’t think it’s an exaggerated statement to suggest that Giraud possessed an almost supernatural ability, an artist whose oneness with his inner creative universe was matched only by his voracious workrate. It’s extremely poignant to now think that every vision forged from Moebius’s staggeringly complex creative mind has now been produced, there’ll never be another…

Wer sich einen Überblick über das vielfältige Werk Girauds machen möchte, dem lege ich The airtight garage ans Herz. Die offizielle Seite des Künstlers findet ihr hier.

Meanwhile: Zack Jernigan widmet sich in einem Roundtable Interview zusammen mit David Anthony Durham, Aliette de Bodard, Adrian Tchaikovsky und Ken Liu dem Thema Writing About Race in Science Fiction and Fantasy. Dabei kommen einige anregende Gedanken zusammen:

When issues of race are considered, there is a lot of extremely reactionary material in the genre. Not just the overt and (to modern sensibilities) grotesquely unpleasant material that one often saw back in the pulp days of Howard, but even nowadays a lot of fantasy settings are essentially a sea of white faces, whilst the isolated black characters often have difficulties escaping from the “noble savage warrior” box, and religious fanatics continually erupt from the desert.

Der erste Teil ist vor ein paar Tagen erschienen, es werden noch weitere Teile folgen. Also: Stay tuned!

Auf dem Schriftsonar werden derweil Autoren & Kritiker nach den Underdogs der SF befragt, den „Most Underrated SF-Novels“. Klingt vielversprechend.

Molosovsky bloggt über das Ende der Science-Fiction: hier und hier. Es handelt sich dabei um eine Debatte, zu der wir wohl in den nächsten Tagen auch auf diesem Blog etwas schreiben werden. Losgetreten wurde das mit diversen Beiträgen auf Telepolis: Michael Szameit fragte zunächst, ob SF am Ende sei:

Wird jetzt alles besser? Viele SF-Fans fiebern mit viel Ungeduld und noch mehr Erwartungen dem neuen Kino-Spektakel „Prometheus“ von Ridley Scott entgegen. Sind die Hoffnungen auf ein neues Highlight der Science-Fiction-Filmkunst berechtigt? Ich bin eher skeptisch und fürchte, dass auch dieser Film die Reduktion des Genres auf Militanz, Action und Horror nur weiter vorantreiben wird.

Es folgten Reaktionen von Myra Çakan und Thomas Wawerka. Bisher nur kurz überflogen, werde in den nächsten Tagen noch einmal ausführlich etwas dazu schreiben. Ein Blick auf Molosovskys Blog lohnt sich übrigens auch unabhängig von dieser Debatte.
Und noch einmal Mass Effect: Liz Bourke schreibt auf tor.com über die Normalisierung des „Woman Heros“. Außerdem lesenswert: Anlässlich seines 78. Geburtstags —  3 quick ways to introduce yourself to the work of Harlan Ellison.

Zombies, Feminismus und die Tücken des „Strong female characters“

Mittwoch, Mai 16th, 2012


Dem Zombie-Film zwar grundsätzlich eher abgeneigt (sehen wir mal von solchen Perlen wie 28 days later ab), bin ich doch kürzlich dank des Blogs fortschritt auf diesen Artikel aufmerksam geworden, der das Thema mal von einer interessanten Seite aufrollt. Behandelt werden Geschlechterrollen in Zombie-Filmen, was mir eine gute Sache scheint. Immerhin ist das Horror-Genre nicht unbedingt dafür bekannt, Frauen abseits von billigen Viktimisierungen überhaupt mal als handelnde Subjekte zu begreifen. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es zwar an weiblichen Zombie-Slayerinnen durchaus nicht mangele, es am Ende allerdings doch wieder die Kerle seien, die im Falle des Zombie-Angriffs auch tatsächlich das Ruder in die Hand nehmen und die verängstigte Dorfbevölkerung in sichere Gefilde führen:

There’s a reason zombie movies default to heroes rather than heroines, and it’s not just because studios won’t greenlight anything with a female lead. It’s reflective of the world we live in. If the rage virus swept across America tomorrow, lots of survivors probably would defer to the most competent man left standing, even if Hillary Clinton (or Condoleezza Rice, for that matter) were right there, dusting off her tattered pantsuit. Zombie narratives are about how normal folks respond to disaster, how you and your neighbors and your coworkers might react in the direst of situations. That’s why they make such convenient vehicles for social commentary.

Kurzum: Gefragt sind strong female characters. Dass es jedoch mit diesen auch nicht immer so einfach ist und nicht jede schießwütige Amazone auch ein positives Role-Model sein muss, machte die Autorin N.K. Jemisin auf ihrem Blog deutlich:

The SFC has programmed us to think “strong” whenever we see a woman with a gun, but not when we see a weaponless woman enduring something that would break another human being. Or we see her, but rationalize away her strength — sometimes until we convince ourselves that it’s something completely different. Strong women would leave an abusive relationship; the ones who stay must be cowards, for example. Or we come up with some other excuse. Even as we’re hit in the face with examples of a woman’s strength across hundreds of different circumstances and in thousands of different expressions, they mean nothing to us. We can’t even see the real strength in real women once we’ve been blinded by the stereotypical strength of the fictional SFC.