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Retrospektive Runden und schlechte Analogien: Querverweise für den 30. Juli

Montag, Juli 30th, 2012

© George Munteanu
The New Yorker hatte Anfang Juni eine ganze Ausgabe dem Thema Science-Fiction gewidmet. Zwar benötigen die meisten Artikel einen Subscriber-Status, um sie online lesen zu können — trotzdem sind einige lesenswerte Texte auch frei verfügbar: So hat sich bspw. Laura Miller mit den Bildern extraterrestrischer Wesen beschäftigt und geht der Frage nach, wie die ersten Aliens aussahen. Cyberpunk-Legende William Gibson wirft derweil einen Blick zurück in die verrückten 50er Jahre und seine erste Begegnung mit SF-Literatur: Olds Rocket 88, 1950. Auch Colson Whitehead wühlt in Kindheitserinnerungen und schreibt in A Psychotronic Childhood über seine frühe Obsession für Horror-B-Movies.

Dass Verhältnisse zwischen Menschen und Aliens bzw. Trollen, Elfen usw. in der SFF-Literatur nicht automatisch eine gute Analogie zu reell existierenden Konflikten rund um die Themenkomplexe Migration und Rassismus bilden müssen, führt Aliette de Bodard auf ihrem Blog aus:

Vampires are rightly discriminated against because they feed on blood and kill human people; the fae have wild and dangerous magic and toy with human lives; and aliens really are different species.
Foreigners and immigrants are none of these. They’re human; they have no special magical powers; and above all, they don’t make a habit of hunting down human people or drinking their blood. All of these have been used against POCs/minorities at some point: the different species to justify racial classification; the magical powers in what I call the “mystical East” clichés (but also in tropes like the Magical Negro or The Native American In Tune With Nature); and the drinking of blood in stuff like blood libel.

Außerdem würde ich euch gerne auf einen schönen Text aufmerksam machen, der vor kurzem bei Tor erschienen ist. Steven Padnick fordert eine stärkere Auseinandersetzung mit Kategorien wie abled/disabled im Superhero-Genre:

Over the years, superhero comics have diversified their roster of characters by adding more female heroes, more heroes of color, with diverse religions and even different sexual orientations, and thus allowed more of their audience to see more of themselves in their heroes. One way I think they can continue to improve is by adding more heroes with disabilities.

As a genre, superheroes explore power and play with what the human body can and cannot do. As such, it’s a perfect forum to portray the lives of the differently abled, what they can do, what they can’t, and how society treats them based on assumptions and prejudice.

Wer sich weitergehend mit der Thematik beschäftigen möchte, dem lege ich übrigens den Text von Rebecca Maskos „Was heißt Ableism?“ aus der arranca ans Herz. Darüber hinaus gibt es beim Audioarchiv auch ein hörenswertes Feature, das sich dem Thema Sexualität und Behinderung widmet.

Bilder via

George und die weiße Zivilisierungsmission

Montag, Juni 11th, 2012


Zeit für eine Rückkehr an die Gestade der sieben Königreiche: Auch wenn die zweite Staffel „Game of Thrones“ mittlerweile über die Bühne ist, kann ich nicht anders als noch einmal nachzutreten. Es mag an meiner finsteren Natur liegen, oder auch an der Tatsache, dass phantastische Literatur recht selten in diesem Kontext analysiert wird. However: Einen Aspekt, der mir persönlich wichtig ist, habe ich bei meinem letzten Beitrag außen vor gelassen und werde ihn deshalb nun nachreichen.

Ich will noch einmal das Beispiel Daenerys aufgreifen. Sie präsentiert sich uns ja einerseits als positive Figur bzw. wird gezielt so inszeniert. Trotzdem wird gerade an ihr etwas offenbar, was sich nicht nur durch „A song of ice and fire“ zieht, sondern mir als ein generelles Phänomen erscheint, das immer wieder in phantastischer Literatur auftritt: Der Vorgang des Othering, also der Konstruktion des „Anderen“.

Daenerys funktioniert zunächst als Element der Kontrastierung. Sie musste aus Westeros fliehen, wird dann von ihrem Bruder an Khal Drogo verkauft und zieht schlussendlich mit ihm und seinem Khalasar durch die Welt. Wir nehmen die kulturelle Praxis der Dothraki also durch sie wahr, demnach auch stets in Abgrenzung zu ihren gewohnten kulturellen Normen, die mit den „fremden“ in permanentem Vergleich stehen. Die Erzählung ist in der Perspektivierung frühen europäischen Reiseberichten nicht unähnlich, die eine zentrale Rolle gespielt haben, was die Ausformung „unseres“ Bildes auf „fremde Kulturen“ angeht.

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