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KPdSU gegen Tentakelmonster

Mittwoch, September 12th, 2012


Das sowjetische Magazin Техника – молодёжи (Tehnika Molodezhi: „Technology for the Youth“) war seit seiner Gründung 1933 eine der bekanntesten russischen Zeitschriften, die wissenschaftliche Themen für Jugendliche vermittelte. In den 70er Jahren gehörten u.a. Werner Heisenberg, Robert Oppenheimer und Ivan Pavlov zu denjenigen, die in Tehnika Molodezhi Artikel veröffentlichten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen jedoch v.a. die Cover, die mittlerweile online einsehbar sind. Es findet sich besonders bei den früheren Ausgaben eine Menge stilisierten Militärkults, sehr viel offensichtliche Propaganda unter dem Paradigma des „sozialistischen Realismus“, welche die technische Überlegenheit der Sowjetunion feiert. Dennoch war Tehnika Molodezhi auch der Ort, an dem oftmals zum ersten Mal ausländische Science-Fiction-Literatur veröffentlicht wurde (das Magazin hatte und hat ebenfalls eine große SF-Sektion) — etwas, das man auch der Covergestaltung ansehen kann. Und so sind insbesondere die späteren Cover der 60er und 70er Jahre eine teilweise geradezu bizarr anmutende Mischung aus psychedelischen SF-Motiven, klassischen Raumfahrtbildern, seltsamen Aliens und sowjetischer Symbolik — und damit auch der visuelle Ausdruck einer augescheinlichen Verzahnung von Ideologie und Popkultur. Beachtet bitte die beiden Astronauten in bunt schillernden kristallinen Anzügen oder (mein Favorit) den Kampf der KPdSU gegen übermächtige Tentakel-Pflanzen-Monster.






Den Rest der Cover findet ihr im Fotostream von Socialism Expo.

ЛЕФ & Новый ЛЕФ

Sonntag, September 2nd, 2012


Bei LEF (ЛЕФ) handelte es sich um das sowjetische Journal der Levy Front Iskusstv, einer Vereinigung avantgardistischer Schriftsteller_innen, Photograph_innen und Kunstkritiker_innen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, künstlerisch an der Entwicklung einer kommunistischen Gesellschaft mitzuwirken  — ein Anliegen, das zu diesem Zeitpunkt in den 1920er Jahren noch als reelle Möglichkeit Bestand zu haben schien.

LEF bestand von 1923 bis 1925 und wurde als Novy LEF (New LEF / Новый ЛЕФ) von 1927 bis 1929 noch einmal aufgelegt. Während dieser Zeit umfasste LEF Beiträge von Vladimir Mayakovsky, Sergei Tretyakov und Osip Brik, sowie Bilder und Montagen von Sergei Eisenstein. Für die Covergestaltung zeichnete sich Alexander Rodchenko verantwortlich. Das Journal stand während dieser Zeit dem „produktivistischen“ linken Flügel des Konstruktivismus nahe, dessen Vertreter_innen sich gegen das Dogma des sog. „sozialistischen Realismus“ wandten, der später zum Paradigma stalinistischer Kulturpolitik werden sollte. Spätere Ausgaben von LEF (insbesondere die Idee der Faktographie) hatten darüber hinaus großen Einfluss auf die ästhetischen und medientheoretischen Schriften von bspw. Walter Benjamin und Bertolt Brecht. 1929 zerbrach LEF unter Angriffen gegen den „Formalismus“ seiner Inhalte sowie einer Debatte über die zukünftige Ausrichtung des Journals.

Monoskop bietet nun sämtliche Ausgaben von LEF und Novy LEF als freien Download an. Wenngleich die Texte des Journals natürlich auf Russisch geschrieben sind, lohnt sich ein Blick nicht nur aufgrund der einzigartigen Covergestaltung Rodchenkos, sondern vor allem deshalb weil es sich hierbei um ein beeindruckendes Zeitdokument einer Periode handelt, in der die kommnunistische Idee noch nicht unter bürokratischer Erstarrung und repressiver Dogmen verschütt gegangen war. Die Übersetzung einiger Texte sowie begleitende Kommentare findet ihr übrigens hier.