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Wie weit stehe ich neben mir?

Samstag, August 4th, 2012


Ihr mögt mir bitte verzeihen, wenn ich bei diesem Post etwas ins Schwärmen gerate. Mit Skhizein erschuf der französische Regisseur Jérémy Clapin ein Fragment; einen Kurzfilm, der andeutet, aber nicht erklärt; eine vorsichtige Annäherung, ein meditatives Kreisen, welches die Betrachtenden nach dreizehn Minuten aufgewühlt zurücklässt. Henry, der von einem Meteoriten getroffen wurde, war vor diesem Zwischenfall „normal“ gewesen – doch nun schwebt er 91 cm neben sich in der Luft. Er ist – im wörtlichen Sinne – verrückt. Doch damit möchte er sich nicht abfinden: Nach ergebnislosen Therapiesitzungen begibt sich auf ein Feld, um sich erneut treffen zu lassen, in der Hoffnung zurückversetzt zu werden.

Der Titel Skhizein kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „abspalten“: Analog zu Adornos in der Minima Moralia geäußerten Überzeugung, dass über das beschädigte Leben in der bestehenden Gesellschaft nur in Versatzstücken geschrieben werden könne, ist auch Skhizein melancholisches Versatz- und Bruchstück über eine gespaltene Existenz, die sich auf einer Fluchtlinie, auf der Suche nach einem Ausweg befindet.